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Lesen lernen 4 – Lesen und schreiben in Freilernerfamilien

Lesen und schreiben in Freilerner-Familien

Was bedeutet dies nun für den Alltag bei Freilernerfamilien? Es gibt viele, viele Materialien, um sich mit Schrift zu beschäftigen. Viele junge Menschen finden es spannend, mit Magnetbuchstaben Wörter zu legen, Sätze zu stempeln, Buchstaben aus Salzteig zu formen oder die verschiedensten Aufgaben aus Lese- und Schreibheften durchzuarbeiten. Wenn der junge Mensch Spaß daran hat, auf diese Weise mit Buchstaben und Schrift zu arbeiten, dann kann man sich hier eine Auswahl zulegen. Diese Vielfalt ist aber nicht notwendig. Gerade fürs Schreiben reichen Stift und Papier, eine Tafel oder der Sandkasten. Viel wichtiger als die Materialien ist allerdings unser Umgang als Eltern mit der Schrift, unsere eigene Haltung zu Geschriebenem und Büchern. Ist Schrift für uns nur dazu da, um den Alltag zu bewältigen? Brauchen wir es vor allem im Beruf? Oder lieben wir Geschriebenes, weil wir darüber andere Welten erleben und erkunden können? Es macht einen Unterschied, ob junge Menschen ihre Eltern oder andere ihnen nahe stehende Menschen immer mal wieder mit einem Buch erleben, oder durch Zeitung und Internet lesend die Welt erkundend, als wenn diese sich nie damit beschäftigen. Natürlich hat es keinen Sinn sich zu verstellen, wenn man selbst nicht gerne liest. Dann kann man aber regelmäßiges Vorlesen dazu nutzen, mit seinem Kind zusammen in Geschichten zu versinken und Themen zu erkunden, sich darüber auszutauschen, ins Philosophieren oder Weiterspinnen zu kommen und gleichzeitig die körperliche Nähe zu genießen. Nach Studien über Kinder im Grundschulalter fördert regelmäßiges Vorlesen das Leseverhalten nachhaltiger als alles andere. Regelmäßiges Lesen von Büchern oder anderen Texten, und damit immer wieder das Schriftbild verschiedener Wörter und den Aufbau von Sätzen vor Augen zu haben, fördert wiederum das Gespür für die „richtige“ Schreibweise und für eine gute Ausdrucksfähigkeit.

Lasst eure kleinen Kinder verschiedenste Stifte benutzen, lasst sie damit herumkritzeln. Buchstaben formen sich dann irgendwann von selbst. Habt Spaß daran, diese Buchstaben und Buchstabenfolgen dann zu entziffern. Es ist immer eine Freude, wenn die Kinder wild drauflosschreiben und zu uns kommen und wissen wollen, was sie denn geschrieben haben: „chrfzxruf“ oder „ausbppal“. Schrift verbindet, auch schon in den Anfängen, wenn es zu wildem Gelächter bei diesen Wortgetümen kommt. Vor ein paar Jahren haben wir mit unseren Enkeln in Schweden ein Skype-Gespräch geführt  – der Ältere ist gerade intensiv dabei, sich die Schriftsprache zu erarbeiten. Wir haben herzlich über „Pups“ gelacht, was unser Enkel gerade das tollste Wort der Welt findet und genauso über die Ungetüme unserer Enkeltochter, die unlesbare „Bandwurmwörter“ zusammengestellt hat.

Ja, Schrift verbindet! Gerade der Schreiblernprozess hat in Freilernerfamilien zum Teil etwas so selbstverständliches, dass man die einzelnen Schritte fast vergisst. Da werden Notizen und Listen gemacht, Briefchen oder Postkarten geschrieben, Bilder beschriftet, kurze Ein-oder-zwei-Satz-Geschichtchen geschrieben, Erlebnisse aufgeschrieben. All das gehört zum Alltag und wird oft gar nicht mehr als Lernprozess wahrgenommen. Einige Kinder fangen schon in jungen Jahren an, Geschichten oder sogar Romane zu schreiben, andere schreiben nur selten etwas auf. Einige machen gerne Übungen aus Deutscharbeitsheften und nehmen die Aufsatzaufgaben daraus als Schreibanregungen, andere nicht. Die Häufigkeit des Schreibens ist nicht wichtig für die spätere schriftliche Ausdrucksfähigkeit. In Freilernerfamilien wird meist viel gesprochen und diskutiert. Dies trägt meiner Erfahrung nach wesentlich dazu bei, dass junge Menschen sich auch schriftlich gut ausdrücken können.

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